Die Katze miaut ständig – fordert sie Aufmerksamkeit?

Kennen Sie das von Ihrer Katze? Die Katze miaut ständig, läuft Ihnen schreiend und maunzend vor die Füße oder weckt sie auf, wenn Sie am Wochenende endlich ausschlafen könnten? Nicht immer ist das Miauen von Katzen ein Problem. Bei manchen Besitzern liegen jedoch die Nerven blank, denn die Katze miaut ständig und ohne erkennbaren Grund.

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Miauen als Form der Kommunikation

Katzen untereinander miauen nur sehr selten! Miaut und schreit eine Katze, dient dies in erste Linie der Kommunikation mit dem Menschen. Dies bedeutet, die Katze möchte mit ihrem Schreien irgendetwas erreiche und Aufmerksamkeit bekommen. Eine sehr menschen-bezogene, intelligente und junge Katzen miaut eher, als eine schüchterne und wenig auf den Menschen fixierte Katzen. Außerdem neigen Kater eher dazu, Aufmerksamkeit vom Besitzer zu fordern. Andauerndes Miauen zur Forderung von Aufmerksamkeit ist daher öfter bei Katern als bei weiblichen Katzen zu beobachten.

Andere Ursachen für ständiges Miauen

Wenn die Katze miaut, muss dies nicht zwangsläufig Aufmerksamkeit forderndes Verhalten sein. Auch andere Ursachen kommen in Frage. Ist die Katze nicht kastriert kann „Singen“ und „Jaulen“ sexuell motiviert sein. Manchmal „brüllen“ Katzen auch plötzlich, wenn sich fremde Katzen dem Revier nähern. Das laute Brüllen dient dann zusammen mit anderen Verhaltensweisen der Verteidigung des Territoriums. Siamkatzen und orientalische Katzenrassen neigen allgemein zu starkem Vokalisieren in der Kommunikation mit Menschen. Vermehrtes Schreien kann bei solchen Rassen daher ein rassetypisches Verhalten sein. Auch Schmerzen, Taubheit oder Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion können dazu führen, dass die Katze miaut. Und auch Angststörungen, Trennungsangst oder altersbedingte senile Demenz können eine Rolle bei andauerndem Miauen spielen.

Versehentliche Bestärkung durch den Besitzer

Die Katze schreit ständig? Vielleicht haben Sie das Miauen versehentlich belohnt? Dies passiert meist ganz automatisch, wenn Ihre Katze durch das Schreien etwas erreicht, selbst wenn es nur ein kurzer Blickkontakt mit Ihnen ist. Wenn Ihre Katze also miaut und Sie sehen Ihre Katze sofort an, sprechen mit ihr oder nehmen sie auf den Schoß, dann kann dies das andauernde Schreien Ihrer Katze bereits fördern. Vielleicht denken Sie auch, die Katze schreit, weil Sie Hunger hat und füttern Sie dann? Oder Sie spielen mit ihr, weil Sie vermuten, dass Ihrer Katze langweilig ist? Vielleicht öffnen Sie Ihrer Katze auch eine Türe, wenn sie schreiend davorsteht? In all diesen Fällen erhält die Katze Aufmerksamkeit für ihr Schreien. Schnell lernt sie dadurch, dass sich jede Form der Lautäußerung lohnt, solange Sie in Hörweite sind. Die Katze lernt, dass Miauen und Schreien eine äußerst effektive Möglichkeit ist, mit Ihnen zu kommunizieren.

Hinweise für Aufmerksamkeit forderndes Verhalten

Wenn Sie Ihrer Katze das ständige Schreien abgewöhnen möchten, müssen Sie herausfinden, warum die Katze miaut. Schreit die Katze wirklich „nur“, weil sie Aufmerksamkeit möchte? Oder liegen andere Ursachen zugrunde, die von einem Tierarzt behandelt werden müssen? Folgende drei Hinweise können für das Miauen als Forderung von Aufmerksamkeit sprechen:

  • In der Vergangenheit erfolgte eine positive Verstärkung durch den Besitzer
  • Die Katze schreit und miaut nur in Anwesenheit der Besitzer (Hörreichweite)
  • Das Miauen hat im Lauf der Zeit immer mehr zugenommen

Was Sie tun können, wenn die Katze miaut

In einigen milden Fällen können die folgenden Maßnahmen bereits ausreichen, damit Sie Ihrer Katze das Schreien abgewöhnen können.

Keine Strafe

Strafen Sie Ihre Katze niemals für das Schreien! Mit körperlichen Strafmaßnahmen können Sie nicht nur Ihre gute Beziehung zu der Katze zerstören. Katzen sind besonders empfindlich und entwickeln schnell eine Angststörung, die Ihr Problem mit der Katze weiter verschlimmern würde.

Schreien nicht mehr bestärken

Ihre Katze soll lernen, dass Miauen keinen positiven Effekt mehr hat. Dies funktioniert nur, wenn Sie das Miauen ab sofort nicht mehr belohnen. Seien Sie wirklich konsequent! Erhält die Katze nämlich weiterhin gelegentlich Aufmerksamkeit für ihr Schreien, wird sich das Schreien noch verschlimmern. Die Katze würde schnell lernen, dass sie nur lange genug miauen muss, bis Sie reagieren. Durch gelegentliches Bestärken würden Sie Ihrer Katze also einen wahrlich langen Atem antrainieren. Aber natürlich darf und soll Ihre Katze weiterhin mit Ihnen Schmusen und Spielen. Achten Sie nur darauf, dass Ihre Katze nur noch Aufmerksamkeit von Ihnen bekommt, wenn sie ruhig ist und selbst keine Aufmerksamkeit fordert.

Für Beschäftigung sorgen

Gleichzeitig benötigt Ihre Katze mentale und körperliche Beschäftigung, damit sie sich nicht langweilt. Frei lebende Katzen verbringen in der Natur den überwiegenden Großteil ihrer aktiven Phase mit der Beschaffung von Futter. Mit einem Fummelbrett oder Futterspielen können Sie Ihre Katze daher artgerecht beschäftigen.

Neue Rituale schaffen

Schreien ist für viele Katzen eine Art Ritual, denn jede Katze benötigt Rituale für ihre zeitliche Strukturierung des Tages. Versuchen Sie daher neue und legale Rituale im Tagesablauf Ihrer Katze zu schaffen. Sie können z.B. feste Spielzeiten einführen oder Ihrer Katze immer zu einer bestimmten Uhrzeit ein paar Leckerchen geben.

Problemsituationen vermeiden

Gibt es bestimmte Situationen, in denen die Katze schreit? Dann achten Sie darauf, dass Sie solche Situation schon im Vorfeld vermeiden. Die Katze kann dadurch ihr Verhalten nicht weiter trainieren. Wenn Ihre Katze beispielsweise immer nachts um 4 Uhr schreiend neben Ihrem Bett steht, könnten Sie dafür sorgen, dass die Katze in den kommenden Wochen (spätestens ab 3:30 Uhr) keinen Zugang mehr zu Ihrem Schlafzimmer hat.

Wie geht es weiter?

Wenn Sie die genannten Maßnahmen umsetzen, sollten Sie in den ersten Tagen immer mit einer Erstverschlechterung rechnen. Die Katze miaut vermehrt und wird mit noch mehr Nachdruck versuchen, das zu erreichen, was bisher immer funktioniert hat. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie selbst wirklich konsequent bleiben! Auch in den nächsten Wochen kann es immer wieder Rückfälle geben. Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen. Insgesamt sollte sich jedoch eine deutliche Besserung nach wenigen Wochen einstellen.

Komplikation: Instrumentalisierung
 
Durch positive Verstärkung gefördertes Vokalisieren wird sehr schnell instrumentalisiert und ritualisiert. Dies bedeutet, dass die Katze das Verhalten dann auch ohne den ursprünglichen Auslöser zeigt. So miaut die Katze beispielsweise vor der Türe, ohne hinaus zu wollen. Sie miaut vor Ihren Füßen, ohne Hunger oder Interesse an einer Streicheleinheit zu haben. Ist ein Verhalten instrumentalisiert, leidet auch die Katze darunter. Für die Katze wird das ständige Miauen zu chronischem Stress und sie zeigt es zunehmend zwanghaft im Umgang mit dem Menschen. Dadurch werden Phasen der Entspannung, Erholung und Ruhe immer kürzer. Es ist also nicht nur in Ihrem Interesse des Besitzers, der Katze das ständige Schreien abzugewöhnen. Auch für die Katze ist es besser, wenn Sie einen normalen Umgang mit Ihnen lernt.

Der Gang zum Spezialisten

Wenn alles nichts hilft und durch die Therapiemaßnahmen auch in den kommenden Wochen keine Besserung eintritt, kann ein auf Verhaltenstherapie spezialisierter Tierarzt helfen. Neben den oben genannten Maßnahmen, kommen je nach Ausprägung des Verhaltens Ihrer Katze viele weitere Therapiemöglichkeiten in Frage. Mit einem genau auf Ihre Katze abgestimmten Therapieplan werden Sie auch Ihrer Katze das Schreien abgewöhnen.

Literatur:
ASKEW, H. R. (2003): Behandlung von Verhaltensproblemen bei Hund und Katze, Parey Buchverlag.
BOHNENKAMP, G., JONES, R. (2009): Was Katzen wirklich brauchen, Franckh-Kosmos-Verlag.
DBALÝ, H., SIGL, S. (2008): Das Spielbuch für Katzen, Cadmos Verlag.
BRUNNER, F. (1989): Die unverstandene Katze, Verlag J. Neumann-Neudamm.
SCHROLL, S., DEHASSE, J. (2009): Verhaltensmedizin bei der Katze, Enke Verlag.
SCHMIDT, W.-D. (2003): Verhaltenstherapie der Katze, Schlütersche Verlag.