Hunde in der Pubertät

Vielen Hundebesitzern kommt dies bekannt vor. Der Hund hat scheinbar auf einmal alle Kommandos vergessen, er zieht an der Leine, schnüffelt an jeder Ecke, ist Fremden gegenüber ängstlich oder aggressiv. Wahrscheinlich befindet sich der Hund gerade in der schwersten Phase seines Lebens – er ist in der Pubertät.

Hunde in der Pubertät

Die Pubertät beginnt

Nicht nur an der körperlichen Entwicklung, sondern auch am Verhalten des Hundes kann man erkennen, dass der Hund in die Pubertät kommt. Der Beginn der Pubertät ist individuell unterschiedlich, lässt sich aber grob abschätzen:

  • Toy-Rassen: 6 Monate
  • Mittelgroße Rassen: 12 Monate
  • Großwüchsige Rassen: 18 Monate
  • Sehr große Rassen: 2 Jahre

Die vier wichtigsten Veränderungen in der Pubertät

1. Geschärfte Wahrnehmung

Die Sinne (Sehen, Hören, Riechen) sind ab der Pubertät viel ausgeprägter. Hunde bemerken auf einmal Dinge, die sie vorher gar nicht wahrgenommen haben. Wegen der ungewohnt starken Ablenkung können sich Hunde in der Pubertät nur schwer konzentrieren und sie folgen schlechter.

2. Angeborene Vorsicht

Hunde in der Pubertät wollen die Welt erkunden und etwas erleben. Damit dies nicht zu gefährlich wird, hat Mutter Natur dafür gesorgt, dass der kindliche Leichtsinn abnimmt und der Hund achtsamer wird. Ängstlicheres Verhalten gegenüber Dingen, die früher ganz normal waren, ist die Folge.

3. Geschlechtsreife

Pubertät ist gekennzeichnet durch den Beginn der sexuellen Reife. Hunde beginnen zu markieren und sich mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen auseinander zu setzen. Die daraus resultierende Ablenkung schwächt das Interesse des Hundes für seinen Besitzer und dessen Kommandos.

4. Körperliche Reife: Hat der Hund vor der Pubertät noch keine guten Manieren und keine Impulskontrolle gelernt, wird sein Verhalten manchmal unkontrollierbar. Unarten (an der Leine Ziehen, Menschen anspringen, …) werden aufgrund der gesteigerten Kraft des Hundes jetzt unangenehm.

Häufige Probleme in der Pubertät und wie Sie reagieren können

Gegenstände zerkauen

→ Die meisten Hunde zeigen dieses Verhalten besonders mit 4-7 Monaten, während des Zahnwechsels. Bei manchen Hunden wird das Zerkauen in der Pubertät jedoch zum Problem.
→ Der Hund muss geistig und körperlich gefordert werden, damit er müde wird. Verhindern Sie den Zugang zu unerlaubten Gegenständen, so dass der Hund kein unerwünschtes Verhalten zeigen kann. Bieten Sie dem Hund ausreichend Kauspielzeug zum legalen Abbau seines Kaubedürfnisses.

Menschen anspringen

→ Welpen springen andere Hunde und Menschen zur Beschwichtigung an. Bei Hunden in der Pubertät steht dagegen oft das Fordern von Aufmerksamkeit im Vordergrund.
→ Das Verhalten darf sich nicht lohnen! Je mehr Aufmerksamkeit (Ansehen, Zuwendung, Schimpfen, …) der Hund für das unerwünschte Verhalten bekommt, desto häufiger wird er dieses Verhalten wiederholen. Lernen Sie dem Hund lieber ein alternatives Verhalten zu zeigen. Springt Ihr Hund Sie an, wenn Sie ihn abrufen und er zu Ihnen kommt? Dann fordern Sie z.B. „Sitz“ ein und belohnen ihn erst, wenn er sich gesetzt hat.

Essen klauen

→ Hunde müssen erst lernen, dass Objekte auf dem Tisch oder der Küchenzeile nicht für sie bestimmt sind, denn solche Spielregeln sind nicht angeboren.
→ Lassen Sie keine Verlockungen in Reichweite des Hundes liegen. Je seltener ein Missgeschick passiert, desto weniger übt der Hund das unerwünschte Verhalten. Lenken Sie die Aufmerksamkeit des Hundes immer wieder auf den Boden, indem Sie z.B. gelegentlich eine Hand voll Leckerli gefülltes Spielzeug geben.

Gegenstände Klauen und damit davonlaufen

→ Welche Gegenstände erlaubt oder tabu sind, sollte der Hund bis zur Pubertät lernen. Dies klappt jedoch nicht mit Schimpfen, denn so lernt der Hund nur, dass der Besitzer ihm die Beute wegnimmt und er sie daher verteidigen muss.
→ Ertappen Sie Ihren Hund mit einem geklauten Objekt, rufen Sie ihn freudig (!) zu sich, so als würden Sie sich mit ihm über seine Beute freuen. Wenn der Hund zu Ihnen kommt, belohnen Sie ihn und tauschen das Objekt gegen ein begehrtes Hundespielzeug. Ihr Hund lernt dabei, dass er unbesorgt zu Ihnen kommen kann, denn er wird keinen Verlust erfahren sondern etwas Besseres bekommen.

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Wenn Sie Rat zum Verhalten oder zur Ernährung Ihres Hundes suchen, helfe ich Ihnen gerne persönlich
im Rahmen einer tierärztlichen Verhaltensberatung im Raum München. Bei
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sowie zur Tierernährung berate ich Sie auch gerne telefonisch. Kontaktieren Sie mich am besten per E-Mail. Ich werde mich umgehend bei Ihnen melden.

Weiterführende Literatur:
[1] Serpell, James & Duffy, Deborah. (2016). Aspects of Juvenile and Adolescent Environment Predict Aggression and Fear in 12-Month-Old Guide Dogs. Frontiers in Veterinary Science. 3. 10.3389/fvets.2016.00049. 
[2] Balogh, Orsolya & Borruat, Natalie & Meier, Angela & Hartnack, Sonja & Reichler, Iris. (2018). The influence of spaying and its timing relative to the onset of puberty on urinary and general behaviour in Labrador Retrievers. Reproduction in Domestic Animals. 53. 10.1111/rda.13225. 

 

Autorin: Matina Raisch, Tierärztin, Zusatzbezeichnung Tierverhaltenstherapie

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