Wenn Hunde Angst vor Silvester haben

Die Angst vor Geräuschen und Silvester

Die meisten Menschen freuen sich auf Silvester, Feuerwerk und Feiern mit Freunden und der Familie. Doch für viele Hunde ist die Zeit des Jahreswechsels mit Angst und Stress verbunden. Manche Hunde zeigen nur leicht ängstliches Verhalten während des Feuerwerks, doch einige Tiere sind bereits an den Tagen vor bis einige Tage nach Silvester stark gestresst und trauen sich kaum noch vor die Türe.

Angst vor Geräuschen und Silvester bei Hunden

Warum haben manche Hunde so Angst vor lauten Geräuschen?

Angst ist grundsätzlich eine natürliche Emotion auf eine insgesamt belastende Situation, die für freilebende Hunde und Wölfe in gewisser Weise lebensnotwendig ist. Ein mutiger Wolf würde sich schnell in Gefahr bringen und dadurch schneller sterben als ein eher ängstliches, zurückhaltendes Tier. Manche Auslöser für Angstverhalten sind daher genetisch verankert.

Zu den angeborenen Angstauslösern gehört bei Hunden der schnelle Wechsel von Reizen, wie er z.B. bei einem Feuerwerk vorkommt, bei dem sich verschiedene Töne, Farben und auch Emotionen in einer schnellen, unvorhersehbaren Abfolge ändern. Neben angeborenen Angstauslösern gibt es natürlich auch erlernte Auslöser, die erst durch eine oder mehrere schlechte Erfahrungen verankert wurden.

Silvesterangst vorbeugen

Für die Ausprägung und das Auslösen von Angst sind bisherige Erfahrung und damit die zu erwartende Bewältigungsmöglichkeit entscheidend. Hat ein Hund in der Vergangenheit eine Situation stressfrei überstanden, wird ihn diese Situation beim nächsten Mal vermutlich nicht ängstigen. Nützen Sie dies an Silvester aus. Hat Ihr Hund bei seinem ersten Feuerwerk jede Menge tolle Leckerchen bekommen und richtig viel Spaß gehabt, wird er das Feuerwerk in positiver Erinnerung haben.

Gerade bei Junghunden, die ihr erster Silvester erleben, sollten Sie daher während des Feuerwerks besonders großzügig mit Leckerchen sein. Füttern Sie Ihren Junghund also ruhig während des Feuerwerks und der Knallerei mit besonders schmackhaften Leckerbissen.

Umgang mit Silvesterangst

Wenn Silvester für Ihren Hund mit Angst und Stress verbunden ist, können Sie einige Maßnahmen ergreifen, um Ihrem Liebling in dieser Zeit etwas zu helfen.

1. Die Ruhe vor dem Sturm

Gehen sie mit Ihrem Hund möglichst schon vormittags eine große Runde spazieren. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit etwas stadtauswärts spazieren zu gehen, so dass Sie keinen Kontakt zu Raketen und Böllern haben. So kann Ihr Hund noch etwas entspannen und muss abends, wenn der Trubel größer wird, nur noch ein kleines Geschäft erledigen.

2. Vermeiden Sie Problemsituationen

Bringen Sie Ihren Hund am Silvesterabend in einen möglichst ruhigen und lichtgeschützen Raum. Dieser Raum – ein Ort der Ruhe – soll am besten bereits einige Tage oder Wochen vor Silvester positiv für den Hund verknüpft werden. Füttern Sie Ihren Hund in diesem Raum, spielen Sie dort mit ihm und stellen Sie ihm alles zur Verfügung, was er besonders gerne mag (z.B. Liegedecke, Wasser, Futter, Kauknochen, Spielsachen).

An Silvester sollten Sie mit Ihren Hund bereits einige Zeit vor dem Feuerwerk in den Raum gehen. Gerade wenn Ihr Hund nicht gewohnt ist, alleine in diesem Raum zu bleiben und sich dabei zu entspannen, sollten Sie die Zeit mit ihm dort gemeinsam verbringen. Machen Sie Musik an, schließen Sie die Rollläden und Fenster, so dass möglichst wenig äußere Reize in den Raum gelangen.

3. Umgang mit dem ängstlichen Hund

Wenn Ihr Hund Angst zeigt, sprechen Sie möglichst nicht beruhigend mit ihm und streicheln Sie ihn nicht, denn Ihr Hund wird Sie missverstehen und denken, dass Sie ihn für sein ängstliches Verhalten loben und seine Angst wird sich daraufhin verstärken! Tun Sie einfach so, als wäre alles in bester Ordnung. So kann sich Ihr Hund an Ihnen und Ihrem Verhalten orientieren.

Sucht Ihr Hund Körperkontakt, gewähren Sie ihm diesen, streicheln Sie ihn dabei aber nicht aktiv. Wandert Ihr Hund dagegen vor Angst hin und her und findet keine Ruhe, geben Sie ihm ein Kommando, sich hinzulegen. Manchmal hilft es dem Hund, wenn er eine klare Anweisung bekommt, was er tun soll. Wenn er sich ruhig hinlegt, können Sie ihn mit einigen Leckerlis belohnen

Behandlung von Silvesterangst

Hunde, die bereits unter einer Silvesterangst leiden, können durch eine Tierverhaltenstherapie behandelt werden. Allerdings dauert eine solche Therapie mehrere Monate und für eine Behandlung ist die noch zur Verfügung stehende Zeit bis Silvester zu kurz. Eine kurzfristige Hilfe bieten hier nur angstlösende Medikamente. Diese betäuben das Tier nicht körperlich sondern sie reduzieren spezifisch das Empfinden von Angst und verhindern so eine weitere Sensibilisierung und Verschlimmerung.

Angstlösende Medikamente sollten von einem Tierarzt verordnet werden, der sich mit Tierverhaltenstherapie auskennt. Bedenken Sie jedoch, dass Medikamente keine Dauerlösung sind, sondern dass Ihr Hund langfristig nur durch eine Verhaltenstherapie behandelt werden kann.

Verhaltenstherapie für Hunde mit Silvesterangst

Wenn Ihr Tier unter Angst vor Geräuschen oder Silvester leidet und Sie Rat suchen, helfe ich Ihnen gerne persönlich im Rahmen einer tierärztlichen Verhaltensberatung im Raum München. Bei allgemeinen Auskünften zu Verhalten und Erziehung von Hunden oder Katzen sowie zur Tierernährung berate ich Sie auch gerne telefonisch. Kontaktieren Sie mich am besten per E-Mail. Ich werde mich umgehend bei Ihnen melden.

Autorin: Matina Raisch, Tierärztin, Zusatzbezeichnung Tierverhaltenstherapie
Bild von markito auf Pixabay

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